Evaluation Magic Circle 2012/2013

1. Hintergrund der Evaluation


Das Programm „Stark im MiteinanderN“ mit seinen vier Bausteinen Magic Circle, Fair Mobil, Spotlight-Theater gegen Mobbing und Cool at School kann auf eine über zehnjährige Erfahrung in der Präventionsarbeit zurückblicken. Regelmäßig wurde das gemeinsame Vorgehen von den Beteiligten kritisch hinterfragt und auf Veränderungsbedarfe überprüft. Kontinuierlich hat es in allen Bausteinen Weiterentwicklungen gegeben.

Bereits 2001 wurde der Magic Circle von der Schulpsychologischen Beratungsstelle anhand eines Lehrerfragebogens evaluiert. Diese Befragung ergab eine hohe Zufriedenheit mit Magic Circle, sowie positive Auswirkungen auf das Verhalten der Kinder bei Konflikten, die Förderung sprachlicher Fähigkeiten und eine differenziertere Wahrnehmung zwischenmenschlicher Situationen.

2011 haben sich die Partner des „Stark im MiteinanderN“ entschlossen, alle vier Bausteine evaluieren zu lassen. Das Europäische Zentrum für Kriminalprävention e.V. (EZK) wurde beauftragt, die Auswirkungen der gemeinsamen Arbeit in Schulen zu ermitteln.

Das EZK hat die vier Programmbausteine zwei Jahre lang begleitet und knapp 2.500 Schüler, Lehrer sowie Schulungsteilnehmer mit Fragebögen und in Interviews vor und nach der Projektteilnahme befragt. Mittels standardisierter Fragebögen wurden verschiedene Dimensionen der emotionalen und sozialen Schulerfahrungen von Schulkindern abgefragt. Es wurden in den Befragungen u.a. die erlebte soziale und emotionale Integration, die sozialen Beziehungen in der Klasse, das wahrgenommene Klassenklima sowie die Art und Weise erfasst, wie die Schüler sich durch ihre Lehrer wahr- und angenommen fühlen.

1.1. Stichprobe und Erhebungsinstrumente für Magic Circle


Um Aussagen über Veränderungen in Bezug auf die genannten Dimensionen ermitteln
zu können wurden quantitative wie qualitative Erhebungsmethoden angewendet:

Erhebungsinstrumente:
• Standardisierter Fragebogen für die Kinder
• Standardisierter Fragebogen für die Lehrpersonen
• Qualitative Befragung der Lehrpersonen
• Ergänzend zu der Untersuchung des EZK hat eine Studentin des Masterstudienganges Psychologie elf Lehrerinnen, die mit ihren Klassen an der Evaluation teilgenommen haben, jeweils in einem einstündigen Interview zu ihren Erfahrungen mit Magic Circle befragt.

Es wurden 221 Schüler (an sechs Schulen im Münsterland und dem Ruhrgebiet) mittels eines Fragebogens befragt, bevor sie Magic Circle kennen gelernt haben. Anschließend erfolgten mindestens 12 Magic Circle Sitzungen (in der Regel fand der MC einmal wöchentlich statt), dann wurde eine erneute Befragung mit dem gleichen Fragebogen - ergänzt durch konkrete Fragen zu Magic Circle - durchgeführt.
Um Aussagen über das von den Schülern empfundene Sozialklima treffen zu können, wurden mit 11 Fragen die Wahrnehmung des Klassenklimas und mit ebenfalls 11 Fragen die Wahrnehmung der sozialen Integration erfasst. Das Lehrer-Schülerverhältnis wurde mit 13 Fragen abgebildet und liefert ergänzende Erkenntnisse hinsichtlich des Schul- und Lernklimas. Zur Absicherung der Befragungsergebnisse wurden parallel entsprechende Erhebungen in Kontrollklassen durchgeführt, die nicht an einem der Programmbausteine teilgenommen hatten.

Mittels eines Fragebogens, der sowohl offene als auch geschlossene Fragen enthielt, sowie eines einstündigen Interviews wurden zudem die Lehrer der befragten Klassen (N=11) mit in die Erhebung einbezogen.

2. Ergebnisse der Evaluation Magic Circle

 

2.1. Schülerbefragung


In allen erhobenen - oben beschriebenen - Dimensionen weist der Durchschnitt aller befragten Schüler positive Veränderungen auf. Am deutlichsten fallen die positiven Auswirkungen im Hinblick auf die Einschätzung des Klassenklimas durch die Befragten aus. Sowohl hinsichtlich des Ausmaßes, in dem die Kinder der Klassen sozial angemessen und freundschaftlich miteinander umgehen und ein gutes Verhältnis zu einander haben, als auch in Bezug auf das Ausmaß, indem Schüler sich von den Lehrkräften angenommen, verstanden und unterstützt fühlen, waren statistisch bedeutsame Effekte des MAGIC CIRCLE zu verzeichnen.

schwarze Balken: Befragung vor Einführung des MC
grüne Balken: Befragung nach mind. 12 MC-Sitzungen

KK = Klassenklima
SI = Soziale Integration
GA = Gefühl des Angenommenseins

Nahezu drei Viertel der Schüler gaben an, gerne am Magic Circle teilzunehmen.
Sowohl Bewertungen der Lehrer als auch der Schüler belegten die hohe Wertschätzung, die mit der Anwendung des Magic Circle in der Praxis verbunden war.

„Alle Kinder haben ihre Meinung gesagt und jedem wurde zugehört“, so der Beitrag eines Schülers auf die Frage, was ihm am „Magic Circle“ besonders gut gefallen habe. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, entspricht aber in vielen Klassen nicht der Realität. Im Magic Circle haben Kinder die Möglichkeit, mit ihren Klassenkameraden zu reden. Das klingt banal, bedeutet jedoch oft sehr viel: „Ich habe die anderen besser kennengelernt“, „Jeder durfte sagen, was er auf dem Herzen hat“ – so empfinden viele der Schüler. Sie lernen unter Beachtung einfacher und klarer Regeln über ihre Gefühle zu reden, einander zuzuhören und sich gegenseitig besser wahrzunehmen.

2.2. Lehrerbefragung


Alle befragten Lehrer gaben an, den Gesprächskreis auch künftig einsetzen zu wollen. Denn mit dem Magic Circle gelingt es, den Schülern und Lehrern ein Instrument an die Hand zu geben, das sich als wirksam erwiesen hat, das Klassenklima zu verbessern und sich von den Lehrern angenommen, verstanden und unterstützt zu fühlen. Zu den besonderen Stärken des Angebotes zählen dessen leichte und flexible Anwendbarkeit, die es erlaubt, den Magic Circle auch dauerhaft in den Schulalltag zu integrieren.

Die Lehrpersonen erlebten das Interesse der Schüler am Magic Circle als sehr hoch (90% positive Zustimmung). Nicht nur die Schüler haben eine Verbesserung des Klassenklimas wahrgenommen, auch die Lehrer teilen diese Einschätzung (87% positive Zustimmung). Ebenso wurde die Kommunikation der Schüler untereinander (82% positive Zustimmung) sowie das Konfliktverhalten (69% positive Zustimmung) verbessert.

2.3. Ergebnisse aus den Interviews


Erfahrungen mit Magic Circle

  • „Bei manchen Erzählungen geht mir dann irgendwie so ein Licht auf…
  • und ich denk, oh, das habe ich ja gar nicht gewusst“
  • „…jeder wird wichtig genommen, das tut den Kindern unheimlich gut“
  • „Ich stelle mit Erstaunen fest, dass nach dem Spiegeln im Magic Circle manchmal Kinder nachfragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben, obwohl ein Beitrag von einem Kind gespiegelt wurde, von dem ich angenommen hätte, dass es für dieses Kind nicht von Bedeutung ist, zu erfahren, was das andere Kind gesagt hat.“
  • „…nicht nur ich, ich, ich, sondern auch der andere“
  • „…die Kinder können besser miteinander umgehen, sie sind sensibler geworden.“


Persönlicher Nutzen

  • „…festes Ritual zwischen den Kindern und mir“
  • „Man nimmt sich bewusst Zeit, nicht für Rechnen, Lesen, Schreiben, sondern für Beziehungen. Es geht nicht um Beschwerden, sondern wir tun etwas für uns, wir hören einfach mal hinein, wir schauen gemeinsam. Das finde ich einen ganz anderen Aspekt vom miteinander Lernen und miteinander Umgehen.“
  • „…Wohlfühlminuten, (…) sowohl für mich als auch für die Kinder“
  • „Das sind ja durchaus Themen, die mich genauso ansprechen wie die Kinder“


Material und Konzept

  • „…man kann auf eine ritualisierte Art und Weise mal Probleme in der Klasse aufgreifen“
  • „…es gibt Themen, die sind zu schwer für die Kinder“
  • „…die Einfachheit der Durchführung finde ich einfach genial“
  • „Man hat Rederecht. Wir haben ganz viele Kinder, die das aufgegeben haben.“

 

 

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